Unter dem Begriff Multitabs fĂŒr Pools werden meist Multifunktionstabletten verstanden, die mehrere Aufgaben gleichzeitig ĂŒbernehmen sollen. Doch genau hier lohnt sich ein genauer Blick auf Zusammensetzung und tatsĂ€chliche Wirkung.Multitabs fĂŒr den Pool gelten als einfache Lösung fĂŒr sauberes Wasser. Eine Tablette - viele Funktionen, wenig Aufwand. Genau deshalb suchen viele Poolbesitzer gezielt nach Multitabs fĂŒr den Pool, wenn sie ihre Wasserpflege vereinfachen möchten.Doch wie sinnvoll sind Multitabs im Pool wirklich? Was leisten sie chemisch tatsĂ€chlich und wo beginnt reines Marketing?  Dieser Artikel thematisiert, was Multitabs im Pool wirklich leisten, wo ihre Grenzen liegen und warum weniger Zusatzstoffe oft die bessere Poolpflege bedeuten.
Was sind Multitabs fĂŒr den Pool?
Multitabs sind Chlortabletten, die sich langsam auflösen und ĂŒber mehrere Tage hinweg Chlor an das Poolwasser abgeben. Sie sind fĂŒr die Dauerdesinfektion gedacht und sollen den Pflegeaufwand reduzieren. Gerade in der Poolpflege schĂ€tzen viele Poolbesitzer die Vielfalt an Funktionen, um den Pflegeaufwand möglichst gering zu halten. Problematisch wird es erst dann, wenn die Tabletten mit immer mehr Zusatzfunktionen versehen werden, die chemisch kaum einen echten Mehrwert bringen.
Jede Chlortablette ist bereits ein Multitab â das wird oft verschwiegenÂ
Was viele nicht wissen: Jede Chlortablette ist von ihrer Chemie her bereits ein Multitab. Das gilt unabhĂ€ngig davon, ob sie als klassische Chlortablette, Multifunktionstablette oder Multi-Chlortab verkauft wird.Â
Die meisten Chlortabletten fĂŒr Pools basieren auf Trichlor (TCCA )(siehe Bild unten). Bei der Herstellung wird CyanursĂ€ure, der Chlorstabilisator, direkt mit Chlor verbunden. Dabei entsteht ein MolekĂŒl, an das drei Chloratome gebunden sind = Trichlor. Dieses MolekĂŒl ist der Hauptbestandteil aller organischen Chlortabletten.
Daraus ergeben sich automatisch drei Basisfunktionen:
Wasserdesinfektion: Beim Auflösen wird aktives Chlor freigesetzt, das Keime und Bakterien zuverlÀssig abtötet.
AlgenverhĂŒtung: Freies Chlor verhindert gleichzeitig Algenwachstum. Das ist keine Zusatzfunktion, sondern Teil der normalen Chlorwirkung. Und eines steht wissenschaftlich fest â Chlor ist noch immer der beste Algenkiller.
Chlorstabilisierung: Durch die Bindung an CyanursĂ€ure wird Chlor vor schnellem Abbau durch Sonnenlicht geschĂŒtzt.
Diese drei Funktionen bringt jede Trichlor-Tablette automatisch mit. Wenn Multi-Tabletten als â3-in-1â beworben werden, wird also oft nur beschrieben, was chemisch ohnehin vorhanden ist. Daher sind zum Beispiel auf unseren normalen Chlortabletten (Tabs-Long) genau auch diese Eigenschaften ausgewiesen.
Multitabs im Pool mit 5 in1, 7 in 1 oder 10 in 1 Funktionen â warum mehr nicht automatisch besser ist ?
Ab hier beginnt meist der Marketingteil. Um sich voneinander abzuheben, werden Multitabs mit immer mehr Funktionen versehen â etwa Reinigungseffekt, Klareffekt oder Kristalleffekt. Diese Begriffe klingen eindrucksvoll, sind aber sehr allgemein gehalten.Â
Ein âReinigungseffektâ entsteht in der Praxis nicht durch zusĂ€tzliche Inhaltsstoffe, sondern durch ausreichend wirksames Chlor und eine funktionierende Filtration.
Auch der sogenannte âKlareffektâ ist keine eigenstĂ€ndige chemische Funktion. Klares Wasser entsteht, wenn Schmutzpartikel entweder oxidiert oder vom Filtersystem entfernt werden. Begriffe wie âKristalleffektâ beschreiben letztlich nur den optischen Zustand des Wassers.  Also keine messbare oder steuerbare Wirkung.
Auch sogenannte 2-Phasen Multifunktionstabletten sehen wir generell problematisch. Bei diesen Tabletten ist meistens Trichlor als langsam lösliches Langzeitchlor mit Dichlor, also schnell löslichem Chlor (= Chlorgranulat), verpresst. Bei der Zugabe wird in kurzer Zeit viel Chlor freigesetzt. Somit wird der Filter einer Schockchlorung unterzogen. Oft ohne, dass dafĂŒr ĂŒberhaupt ein Anlass besteht.Â
FĂŒr den normalen Badebetrieb ist eine solche ChlorstoĂbelastung in den meisten FĂ€llen schlicht unnötig. Es ist, als wĂŒrde man mit Kanonen auf Spatzen schieĂen. ZusĂ€tzlich enthĂ€lt Dichlor relativ viel CyanursĂ€ure (Stabilisator) pro mg wirksamem Chlor. Also mehr Stabilisator bei gleichzeitig weniger effektivem Chlor.Â
Durch die Kombination beider Chlorarten wird in kurzer Zeit besonders viel Stabilisator eingebracht, obwohl genau dieser Stoff langfristig die Wirksamkeit des Chlors einschrÀnkt. Das Ergebnis ist oft paradox: Kurzzeitig sehr hohe Chlorwerte, langfristig jedoch eine schlechtere Desinfektionsleistung und ein Poolwasser, das immer schwieriger zu kontrollieren wird.
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Wie viele Funktionen sind bei Chlortabletten wirklich sinnvoll?Â
Wenn man es nĂŒchtern betrachtet, braucht ein Multitab nur sehr wenig:eine zuverlĂ€ssige Desinfektion, AlgenverhĂŒtung (bereits Teil der Chlorwirkung) und Chlorstabilisierung gegen Sonnenlicht. Als sinnvolle ErgĂ€nzung dient Flockungsmittel. Es hilft, feinste Schmutzpartikel zu binden, damit sie vom Filter erfasst werden können. Alles darĂŒber hinaus erhöht vor allem die chemische KomplexitĂ€t, jedoch nicht die WasserqualitĂ€t.
Ein hilfreicher Vergleich sind öffentliche SchwimmbĂ€der. Dort wird nicht mit âZaubereffektenâ oder kreativen Zusatzfunktionen gearbeitet. Das Wasser wird nach einem sehr einfachen, bewĂ€hrten Prinzip gepflegt: saubere Desinfektion mit normalem Chlor, ein korrekt eingestellter pH-Wert und eine gezielte UnterstĂŒtzung der Filtration durch Flockung.
Mehr braucht es auch dort nicht, um dauerhaft klares und hygienisch sauberes Wasser zu haben. Genau dieses Prinzip funktioniert auch im privaten Pool: weniger Zusatzstoffe, dafĂŒr klare Kontrolle ĂŒber die Wasserwerte.
Eine gute Multifunktionstablette erkennt man deshalb nicht an der Anzahl der Funktionen auf der Verpackung, sondern daran, wie stabil und gut kontrollierbar das Wasser bleibt.
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Können Multitabs im Pool den pH-Wert stabilisieren?Â
Viele Multitabs werden mit Aussagen wie pH-neutral oder pH-stabilisierend beworben. Das klingt nach einer einfachen Lösung, chemisch betrachtet stimmt es jedoch nicht ganz.
Multitabs auf Trichlor-Basis sind saure Produkte. Beim Auflösen entstehen hypochlorige SÀure und CyanursÀure, die den pH-Wert senken. In der unmittelbaren Umgebung einer sich auflösenden Tablette liegt der pH-Wert bei etwa 3, also im Bereich von Essig.
Es ist also so, als wĂŒrdest du kontinuierlich eine saure FlĂŒssigkeit in deinen Pool kippen. Der pH-Wert sinkt dabei nicht plötzlich, sondern schleichend. Lange wirkt alles unauffĂ€llig, bis die natĂŒrliche Pufferwirkung des Wassers erschöpft ist. Diese Pufferwirkung stammt aus der sogenannten AlkalinitĂ€t des Poolwassers.
Sie sorgt normalerweise dafĂŒr, dass der pH-Wert stabil bleibt. Du kannst sie ganz einfach mit unseren Teststreifen messen. Ist die AlkalinitĂ€t bei 0, kann der pH-Wert sehr schnell abstĂŒrzen und wird instabil.
HĂ€ufig wird angefĂŒhrt, dass sich mit jeder Tablette CyanursĂ€ure (Chlorstabilisator) im Wasser anreichert und dadurch eine stabilisierende Wirkung auf den pH-Wert entsteht. Diese Wirkung ist jedoch begrenzt und deutlich schwĂ€cher als die Pufferwirkung der AlkalinitĂ€t.Â
Fazit: Chlortabletten setzen eine Substanz(CyanursĂ€ure) frei, die den pH-Wert im Pool stabilisiert. CyanursĂ€ure trĂ€gt als zusĂ€tzliches Puffersystem geringfĂŒgig zur pH-StabilitĂ€t bei, ersetzt jedoch nicht die klassische pH- und AlkalinitĂ€tskontrolle. [1]
Daher enthalten unsere Multitabs keine Aufschrift mit pH-regulierender Wirkung.Â
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Kupfersulfat und BorsĂ€ure in MultitabsÂ
Kupfersulfat und BorsĂ€ure werden in manchen Chlortabletten eingesetzt, weil sie bestimmte Effekte haben. Kupfer wirkt gegen Algen. BorsĂ€ure wird als Schmierstoff und Bindemittel beim Tablettenpressen verwendet.  Technisch funktioniert das. Die entscheidende Frage ist aber, ob solche Stoffe fĂŒr eine sichere und langfristig sinnvolle Poolpflege wirklich nötig sind.
Kupfersulfat ist im Poolwasser vor allem ein technisches Problem. Es kann sich anreichern und zu VerfĂ€rbungen an Becken, Einbauteilen oder Haaren fĂŒhren. Trotzdem bleibt es ein Stoff, der im Wasser verharrt und keinen echten Mehrwert bietet, wenn Algen auch zuverlĂ€ssig durch korrekt eingesetztes Chlor verhindert werden können. Kinder sollten nicht einer durchgehenden Kupferbelastung ausgesetzt werden.Â
BorsÀure ist, aufgrund ihrer Eigenschaften, deutlich problematischer. BorsÀure steht im Verdacht, die Fortpflanzung zu schÀdigen und wird deshalb vom EU-Gesetzgeber besonders streng bewertet. Sie steht auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe und ihr Einsatz in Verbraucherprodukten ist nur in sehr niedrigen Konzentrationen erlaubt.
Dass derartige Stoffe dennoch in Chlortabletten fĂŒr Pools eingesetzt werden, ist schwer nachvollziehbar. Aus unserer Sicht wirkt der Einsatz solcher ZusĂ€tze aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemĂ€Ă.Â
Unsere Multitabs sind mit der Aufschrift âohne BorsĂ€ureâ gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist rechtlich nur zulĂ€ssig, wenn das Produkt keine BorsĂ€ure enthĂ€lt.
Was bei Multitabs ĂŒber die QualitĂ€t entscheidetÂ
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Funktionen, sondern die QualitĂ€t des eingesetzten Chlorrohstoffs TCCA. Viele Chlortabletten stammen aus Fernost und weisen stark schwankende Reinheit und hĂ€ufig eine ungleichmĂ€Ăige KorngröĂenverteilung auf.
Verunreinigungen mit Natrium oder Eisen beeinflussen die QualitĂ€t und fĂŒhren zu einem schnelleren Chlorabbau. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass die Tabletten einen intensiveren Chlorgeruch haben und deutlich schlechter wirken. Bei unseren Multitabs setzen wir bewusst auf europĂ€ische Produktion. Unser Rohstoffhersteller produziert den Rohstoff fĂŒr Chlortabletten seit mittlerweile 50 Jahren.Â
TCCA wird dabei einem eigens entwickelten mehrstufigen Reinigungs- und Vermahlungsprozess unterzogen. Statt einmal lĂ€uft das Produkt fĂŒnfmal ĂŒber die Aufbereitung, wodurch Störstoffe wie ĂŒberschĂŒssige CyanursĂ€ure, Natrium oder Eisen deutlich reduziert werden.Â
Auch die Vermahlung spielt eine zentrale Rolle. Wichtig ist hier, dass jedes Partikel in der Tablette gleich groĂ ist. Einfach gesagt sollte vermieden werden, dass Chlortabletten sowohl einen hohen Grob- als auch einen hohen Feinanteil aufweisen. Werden groĂe Körner mit kleinen Körnern verpresst, hat das einen Einfluss auf die Pressdichte der Chlortablette. Somit löst sie sich schneller und ungleichmĂ€Ăiger auf.
Und genau diese Faktoren entscheiden ĂŒber die QualitĂ€t und nicht die Anzahl der Funktionen. Zudem wird beim Pressen unserer Multitabs keine gefĂ€hrliche BorsĂ€ure eingesetzt. Unser Hersteller arbeitet mit einem mineralischen Binde- und Schmiermittel beim Pressvorgang. Kupfersulfat erachten wir als komplett unnötig und es ist somit auch nicht in unserer Rezeptur enthalten.Â
Multifunktionstabletten: WENIGER ist MEHRÂ
Ein gutes Multitab braucht keine zehn Funktionen. Entscheidend sind saubere Rohstoffe, eine ordentliche Vermahlung und so wenig dauerhafte Zusatzstoffe wie möglich.Wer Multitabs im Pool nutzt, die genau diesem Prinzip folgen, merkt schnell, dass dies zu stabilerem Wasser und langfristig zu weniger Problemen fĂŒhrt.
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[1] Wojtowicz, John. (2001). Swimming Pool Water Buffer Chemistry. Journal of the Swimming Pool and Spa Industry. Vol. 3 (2), pp. 34-41.
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