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Multitabs für Pools – wie viel „Multi“ ist noch gesund?
von/ durch DI Michael Bumberger am Feb 03 2026
Unter dem Begriff Multitabs für Pools werden meist Multifunktionstabletten verstanden, die mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen sollen. Doch genau hier lohnt sich ein genauer Blick auf Zusammensetzung und tatsächliche Wirkung.Multitabs für den Pool gelten als einfache Lösung für sauberes Wasser. Eine Tablette - viele Funktionen, wenig Aufwand. Genau deshalb suchen viele Poolbesitzer gezielt nach Multitabs für den Pool, wenn sie ihre Wasserpflege vereinfachen möchten.Doch wie sinnvoll sind Multitabs im Pool wirklich? Was leisten sie chemisch tatsächlich und wo beginnt reines Marketing? Dieser Artikel thematisiert, was Multitabs im Pool wirklich leisten, wo ihre Grenzen liegen und warum weniger Zusatzstoffe oft die bessere Poolpflege bedeuten.
Was sind Multitabs für den Pool?
Multitabs sind Chlortabletten, die sich langsam auflösen und über mehrere Tage hinweg Chlor an das Poolwasser abgeben. Sie sind für die Dauerdesinfektion gedacht und sollen den Pflegeaufwand reduzieren. Gerade in der Poolpflege schätzen viele Poolbesitzer die Vielfalt an Funktionen, um den Pflegeaufwand möglichst gering zu halten. Problematisch wird es erst dann, wenn die Tabletten mit immer mehr Zusatzfunktionen versehen werden, die chemisch kaum einen echten Mehrwert bringen.
Jede Chlortablette ist bereits ein Multitab – das wird oft verschwiegen
Was viele nicht wissen: Jede Chlortablette ist von ihrer Chemie her bereits ein Multitab. Das gilt unabhängig davon, ob sie als klassische Chlortablette, Multifunktionstablette oder Multi-Chlortab verkauft wird.
Die meisten Chlortabletten für Pools basieren auf Trichlor (TCCA )(siehe Bild unten). Bei der Herstellung wird Cyanursäure, der Chlorstabilisator, direkt mit Chlor verbunden. Dabei entsteht ein Molekül, an das drei Chloratome gebunden sind = Trichlor. Dieses Molekül ist der Hauptbestandteil aller organischen Chlortabletten.
Daraus ergeben sich automatisch drei Basisfunktionen:
Wasserdesinfektion: Beim Auflösen wird aktives Chlor freigesetzt, das Keime und Bakterien zuverlässig abtötet.
Algenverhütung: Freies Chlor verhindert gleichzeitig Algenwachstum. Das ist keine Zusatzfunktion, sondern Teil der normalen Chlorwirkung. Und eines steht wissenschaftlich fest – Chlor ist noch immer der beste Algenkiller.
Chlorstabilisierung: Durch die Bindung an Cyanursäure wird Chlor vor schnellem Abbau durch Sonnenlicht geschützt.
Diese drei Funktionen bringt jede Trichlor-Tablette automatisch mit. Wenn Multi-Tabletten als „3-in-1“ beworben werden, wird also oft nur beschrieben, was chemisch ohnehin vorhanden ist. Daher sind zum Beispiel auf unseren normalen Chlortabletten (Tabs-Long) genau auch diese Eigenschaften ausgewiesen.
Multitabs im Pool mit 5 in1, 7 in 1 oder 10 in 1 Funktionen – warum mehr nicht automatisch besser ist ?
Ab hier beginnt meist der Marketingteil. Um sich voneinander abzuheben, werden Multitabs mit immer mehr Funktionen versehen – etwa Reinigungseffekt, Klareffekt oder Kristalleffekt. Diese Begriffe klingen eindrucksvoll, sind aber sehr allgemein gehalten.
Ein „Reinigungseffekt“ entsteht in der Praxis nicht durch zusätzliche Inhaltsstoffe, sondern durch ausreichend wirksames Chlor und eine funktionierende Filtration.
Auch der sogenannte „Klareffekt“ ist keine eigenständige chemische Funktion. Klares Wasser entsteht, wenn Schmutzpartikel entweder oxidiert oder vom Filtersystem entfernt werden. Begriffe wie „Kristalleffekt“ beschreiben letztlich nur den optischen Zustand des Wassers. Also keine messbare oder steuerbare Wirkung.
Auch sogenannte 2-Phasen Multifunktionstabletten sehen wir generell problematisch. Bei diesen Tabletten ist meistens Trichlor als langsam lösliches Langzeitchlor mit Dichlor, also schnell löslichem Chlor (= Chlorgranulat), verpresst. Bei der Zugabe wird in kurzer Zeit viel Chlor freigesetzt. Somit wird der Filter einer Schockchlorung unterzogen. Oft ohne, dass dafür überhaupt ein Anlass besteht.
Für den normalen Badebetrieb ist eine solche Chlorstoßbelastung in den meisten Fällen schlicht unnötig. Es ist, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Zusätzlich enthält Dichlor relativ viel Cyanursäure (Stabilisator) pro mg wirksamem Chlor. Also mehr Stabilisator bei gleichzeitig weniger effektivem Chlor.
Durch die Kombination beider Chlorarten wird in kurzer Zeit besonders viel Stabilisator eingebracht, obwohl genau dieser Stoff langfristig die Wirksamkeit des Chlors einschränkt. Das Ergebnis ist oft paradox: Kurzzeitig sehr hohe Chlorwerte, langfristig jedoch eine schlechtere Desinfektionsleistung und ein Poolwasser, das immer schwieriger zu kontrollieren wird.
Wie viele Funktionen sind bei Chlortabletten wirklich sinnvoll?
Wenn man es nüchtern betrachtet, braucht ein Multitab nur sehr wenig:eine zuverlässige Desinfektion, Algenverhütung (bereits Teil der Chlorwirkung) und Chlorstabilisierung gegen Sonnenlicht. Als sinnvolle Ergänzung dient Flockungsmittel. Es hilft, feinste Schmutzpartikel zu binden, damit sie vom Filter erfasst werden können. Alles darüber hinaus erhöht vor allem die chemische Komplexität, jedoch nicht die Wasserqualität.
Ein hilfreicher Vergleich sind öffentliche Schwimmbäder. Dort wird nicht mit „Zaubereffekten“ oder kreativen Zusatzfunktionen gearbeitet. Das Wasser wird nach einem sehr einfachen, bewährten Prinzip gepflegt: saubere Desinfektion mit normalem Chlor, ein korrekt eingestellter pH-Wert und eine gezielte Unterstützung der Filtration durch Flockung.
Mehr braucht es auch dort nicht, um dauerhaft klares und hygienisch sauberes Wasser zu haben. Genau dieses Prinzip funktioniert auch im privaten Pool: weniger Zusatzstoffe, dafür klare Kontrolle über die Wasserwerte.
Eine gute Multifunktionstablette erkennt man deshalb nicht an der Anzahl der Funktionen auf der Verpackung, sondern daran, wie stabil und gut kontrollierbar das Wasser bleibt.
Können Multitabs im Pool den pH-Wert stabilisieren?
Viele Multitabs werden mit Aussagen wie pH-neutral oder pH-stabilisierend beworben. Das klingt nach einer einfachen Lösung, chemisch betrachtet stimmt es jedoch nicht ganz.
Multitabs auf Trichlor-Basis sind saure Produkte. Beim Auflösen entstehen hypochlorige Säure und Cyanursäure, die den pH-Wert senken. In der unmittelbaren Umgebung einer sich auflösenden Tablette liegt der pH-Wert bei etwa 3, also im Bereich von Essig.
Es ist also so, als würdest du kontinuierlich eine saure Flüssigkeit in deinen Pool kippen. Der pH-Wert sinkt dabei nicht plötzlich, sondern schleichend. Lange wirkt alles unauffällig, bis die natürliche Pufferwirkung des Wassers erschöpft ist. Diese Pufferwirkung stammt aus der sogenannten Alkalinität des Poolwassers.
Sie sorgt normalerweise dafür, dass der pH-Wert stabil bleibt. Du kannst sie ganz einfach mit unseren Teststreifen messen. Ist die Alkalinität bei 0, kann der pH-Wert sehr schnell abstürzen und wird instabil.
Häufig wird angeführt, dass sich mit jeder Tablette Cyanursäure (Chlorstabilisator) im Wasser anreichert und dadurch eine stabilisierende Wirkung auf den pH-Wert entsteht. Diese Wirkung ist jedoch begrenzt und deutlich schwächer als die Pufferwirkung der Alkalinität.
Fazit: Chlortabletten setzen eine Substanz(Cyanursäure) frei, die den pH-Wert im Pool stabilisiert. Cyanursäure trägt als zusätzliches Puffersystem geringfügig zur pH-Stabilität bei, ersetzt jedoch nicht die klassische pH- und Alkalinitätskontrolle. [1]
Daher enthalten unsere Multitabs keine Aufschrift mit pH-regulierender Wirkung.
Kupfersulfat und Borsäure in Multitabs
Kupfersulfat und Borsäure werden in manchen Chlortabletten eingesetzt, weil sie bestimmte Effekte haben. Kupfer wirkt gegen Algen. Borsäure wird als Schmierstoff und Bindemittel beim Tablettenpressen verwendet. Technisch funktioniert das. Die entscheidende Frage ist aber, ob solche Stoffe für eine sichere und langfristig sinnvolle Poolpflege wirklich nötig sind.
Kupfersulfat ist im Poolwasser vor allem ein technisches Problem. Es kann sich anreichern und zu Verfärbungen an Becken, Einbauteilen oder Haaren führen. Trotzdem bleibt es ein Stoff, der im Wasser verharrt und keinen echten Mehrwert bietet, wenn Algen auch zuverlässig durch korrekt eingesetztes Chlor verhindert werden können. Kinder sollten nicht einer durchgehenden Kupferbelastung ausgesetzt werden.
Borsäure ist, aufgrund ihrer Eigenschaften, deutlich problematischer. Borsäure steht im Verdacht, die Fortpflanzung zu schädigen und wird deshalb vom EU-Gesetzgeber besonders streng bewertet. Sie steht auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe und ihr Einsatz in Verbraucherprodukten ist nur in sehr niedrigen Konzentrationen erlaubt.
Dass derartige Stoffe dennoch in Chlortabletten für Pools eingesetzt werden, ist schwer nachvollziehbar. Aus unserer Sicht wirkt der Einsatz solcher Zusätze aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß.
Unsere Multitabs sind mit der Aufschrift ‚ohne Borsäure‘ gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist rechtlich nur zulässig, wenn das Produkt keine Borsäure enthält.
Was bei Multitabs über die Qualität entscheidet
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Funktionen, sondern die Qualität des eingesetzten Chlorrohstoffs TCCA. Viele Chlortabletten stammen aus Fernost und weisen stark schwankende Reinheit und häufig eine ungleichmäßige Korngrößenverteilung auf.
Verunreinigungen mit Natrium oder Eisen beeinflussen die Qualität und führen zu einem schnelleren Chlorabbau. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass die Tabletten einen intensiveren Chlorgeruch haben und deutlich schlechter wirken. Bei unseren Multitabs setzen wir bewusst auf europäische Produktion. Unser Rohstoffhersteller produziert den Rohstoff für Chlortabletten seit mittlerweile 50 Jahren.
TCCA wird dabei einem eigens entwickelten mehrstufigen Reinigungs- und Vermahlungsprozess unterzogen. Statt einmal läuft das Produkt fünfmal über die Aufbereitung, wodurch Störstoffe wie überschüssige Cyanursäure, Natrium oder Eisen deutlich reduziert werden.
Auch die Vermahlung spielt eine zentrale Rolle. Wichtig ist hier, dass jedes Partikel in der Tablette gleich groß ist. Einfach gesagt sollte vermieden werden, dass Chlortabletten sowohl einen hohen Grob- als auch einen hohen Feinanteil aufweisen. Werden große Körner mit kleinen Körnern verpresst, hat das einen Einfluss auf die Pressdichte der Chlortablette. Somit löst sie sich schneller und ungleichmäßiger auf.
Und genau diese Faktoren entscheiden über die Qualität und nicht die Anzahl der Funktionen. Zudem wird beim Pressen unserer Multitabs keine gefährliche Borsäure eingesetzt. Unser Hersteller arbeitet mit einem mineralischen Binde- und Schmiermittel beim Pressvorgang. Kupfersulfat erachten wir als komplett unnötig und es ist somit auch nicht in unserer Rezeptur enthalten.
Multifunktionstabletten: WENIGER ist MEHR
Ein gutes Multitab braucht keine zehn Funktionen. Entscheidend sind saubere Rohstoffe, eine ordentliche Vermahlung und so wenig dauerhafte Zusatzstoffe wie möglich.Wer Multitabs im Pool nutzt, die genau diesem Prinzip folgen, merkt schnell, dass dies zu stabilerem Wasser und langfristig zu weniger Problemen führt.
[1] Wojtowicz, John. (2001). Swimming Pool Water Buffer Chemistry. Journal of the Swimming Pool and Spa Industry. Vol. 3 (2), pp. 34-41.